Frauenzeitschriften und Geschichte

Als das ZDF ankündigte eine „Geschichte der Frauen“ schreiben zu wollen, wurde ich hellhörig. Guido Knopp hatte sich ja schon an „den Deutschen“ abgearbeitet.1 Während die erste Staffel der „Deutschen“ nur mit Männern auskam, überwand man sich in der zweiten Staffel und erhöhte den Frauenanteil bei zehn Ausgaben von 0 auf 20 Prozent, indem man Rosa Luxemburg und Hildegard von Bingen mitspielen ließ.

Nun also eine Geschichte mit 100 Prozent Frauen. Wow. Nicht so wow ist das, was daraus wurde. Man wich zwar von der „deutschen“ Geschichte ab, aber die behandelten Frauen dürften (ausgenommen evtl. Luise von Preußen) weitestgehend bekannt sein. Statt also die Biographien von Frauen darzustellen, die möglicher Weise eher unbekannt sind, griff man zu den Topsellerinnen. Cleopatra, Jeanne d’Arc, Elisabeth I., Katharina die Große, Luise von Preußen und Sophie Scholl sind für das ZDF „Frauen, die Geschichte machten“. Die Werbekampagne, die das ZDF für die Reihe herausgab, spricht für sich.

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Teil der Werbekampagne für „Frauen die Geschichte machten“.

Der Text der Anzeige ließ schon erahnen, was man von der Folge über Elizabeth I. erwarten konnte. In der Manier der gängigen Frauenzeitschriften (der Titel dieser fiktiven Zeitschrift orientiert sich anscheinend an Titeln wie „Maxi“, „Brigitte“ oder „Petra“) versuchte man für die Folge zu begeistern. Typisch [sic!] weibliche Attribute wurden verwendet. Mächtige Frauen sind Zicken (und auch hier „Nur eine kann die Chefin sein“, vgl. „Nur eine kann Germany’s next Topmodel werden!“). Frau kann auch als Single mächtig sein, die Überschrift „I love England“ über „Lieber Single“ suggeriert allerdings, dass die „Ehe mit einem Empire“ dann keine Familie zulässt. Bliebe die Frage, wie eine Männerzeitschriftausgabe für „Männer, die Geschichte machten“ aussehen würde.

bissmag
Vielleicht so?
Bild: Bundesarchiv, Bild 183-R68588 / CC-BY-SA | Schrift ergänzt durch die Autorin

Alle Folgen habe ich mir noch nicht angeschaut, die Folge über Jeanne d’Arc fand ich schrecklich, die über Sophie Scholl dann schon gelungener. Sollte ich über die Weihnachtstage Zeit haben alle anzuschauen, schreibe ich womöglich eine umfassendere Kritik. Wer über Weihnachten auch Langeweile hat, kann sich alle Folgen der Reihe hier anschauen. Aufgrund von Depluzierungs-Vorschriften der Depublikations-Pflicht dürften die Folgen allerdings nicht allzu lange online stehen.


  1. Karl der Große ist bei Knopp beispielsweise auch „Deutscher“ – was wohl die Franzosen mit dieser Deutung „ihres“ Charlemagne anfangen? 

2 comments

  1. „Biss-Mag“ <3

    Ich habe bisher keine Folge gesehen, aber angesichts der Reaktionen scheint das ZDF / Guido Knopp offensichtlich lieber bessere Einschaltquoten haben wollen, als wirklich (etwas Neues) lehren. Das ist natürlich für einen Historiker ein Graus; ob es Nicht-Historiker so fasziniert, dass sich sie mit Geschichte / der Person näher auseinandersetzen mag sein und ist in erster Linie begrüßenswert – sofern die Person kritisch ist. Ich erinnere mich an eine Hildegard-Museumsbesucherin, die mich als "prüde" und "den alten Fakten verhangen" bezeichnete, weil ich die von Frau von Trotta angedeutete lesbische Beziehung von Hildegard von Bingen und Richardis von Stade (II.) als nicht sehr wahrscheinlich bezeichnete.

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