Masterarbeit I: Einleitung

Ich hatte ja etwas versprochen und da ich in nicht allzu ferner Zukunft mit Moritz zur MA podcasten werde, gibt es heute schon mal die Einleitung (bei der die Quelle mir einen wunderbaren Scherz erlaubte). Ich überlege, ob ich die Masterarbeit unterkapitelweise veröffentliche oder direkt in einem Rutsch als PDF. Vermutlich mache ich einfach beides, aber jetzt erstmal I.1…

I. Einleitung

Noch nicht den richtigen Mann gefunden hat Charlotte J., geboren am 13.9.1920. Sie erlebte während des Krieges mit ihrem Verlobten eine schwere Enttäuschung, hat aber nach wie vor den Wunsch zu heiraten. Sie ist sich klar, daß ihr Wunsch schwer zu erfüllen sein wird. Bei ihr bestand schon immer Neigung für den kaufmännischen Beruf. Sie ist gelernte Kontoristin und arbeitet jetzt als Sekretärin des Betriebsleiters einer Tabakfabrik, hat eine selbständige Stellung und vertritt sogar oft ihren Chef. Dadurch ist sie jetzt mehr als früher durch ihren Beruf befriedigt, wenn auch nicht restlos, da sie den sehnlichen Wunsch nach Kindern hat.1

So porträtierte die westdeutsche Frauenzeitschrift Constanze im August 1948 Charlotte J. und deren Entwicklung seit 1939. Aus heutiger Sicht mag diese Beschreibung antiquiert wirken, sie erinnert gleichzeitig aber auch an Kontaktanzeigen, die auch heute in Zeitschriften zu finden sind. Ebenso fremd erscheint heute das Frauenbild der 1950er Jahre, das oftmals als reaktionär bezeichnet und dem aktuellen weiblichen Rollenbild gegenübergestellt wird, um einen kontinuierlichen Fortschritt im Wandel dieses Bildes auszumachen. So warnte zum Beispiel der Landesfrauenrat Baden-Württemberg am 9. Februar 2016 vor den dortigen Landtagswahlen im März die etablierte Landespolitik vor der Partei „Alternative für Deutschland“, deren Positionen an eine „Zeitreise in die 50er Jahre“2 erinnerten. Dabei ist dieses Bild der 1950er Jahre keineswegs so einseitig wie es hier erscheint. Der angeblich verklemmten Sexualmoral und dem Bild vom „Heimchen am Herd“, das die 1950er Jahre angeblich beherrschte, stehen die Stereotype der berufstätigen „Trümmerfrau“ und des promiskuitiven „Amiliebchens“ gegenüber, die im kollektiven Gedächtnis ebenfalls mit dieser Zeit assoziiert werden.3 Darüber hinaus gilt das Bild der „prüden 1950er Jahre“ größtenteils für die Bundesrepublik. Insofern erscheint es vielversprechend zu untersuchen, welche Frauenbilder in zeitgenössischen Zeitschriften in Ost und West dargestellt wurden und welches Frauenbild NS-Frauenzeitschriften vertraten. Denn da sich Geschlechterrollenbilder in einem stetigen Wandel befinden (s.u.), stellt sich ebenfalls die Frage, wie sich das Frauenbild der Nachkriegszeit aus dem der Zeit des Zweiten Weltkriegs entwickelte. Nach theoretischen Überlegungen werden dazu zunächst die Zeitschriften kurz vorgestellt, um im Anschluss daran die Frauenbilder der Zeitschriften in Bezug auf die Berufstätigkeit von Frauen sowie auf der Ebene von heterosexuellen Partnerschaften zu analysieren.


  1. Was sie werden wollten – was aus ihnen wurde! in: Constanze, Nr. 12, 1948, S. 5. 

  2. Die Welt: AfD will Frauen an den Herd verbannen, http://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article152004544/AfD-will-Frauen-an-den-Herd-verbannen.html (15.2.2016). 

  3. Siehe zum Beispiel Hosseinzahdeh, Sonja: Nur Trümmerfrauen und Amiliebchen? Stuttgarterinnen in der Nachkriegszeit, Tübingen 1998. 

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