Masterarbeit: I.3 Forschungsstand und Literatur

[Inhaltsverzeichnis]

Im Zuge der Entwicklung der deutschen Frauenbewegung der 1970er Jahre entstand auch eine verstärkte geschichtswissenschaftliche Beschäftigung mit der Rolle deutscher Frauen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit.[1] Während die Forschung Frauen, die nach nationalsozialistischen Kriterien als „deutsch“ galten, zunächst vor allem als Opfer der NS-Politik ansah, wandelte sich dieses Bild ab Mitte der 1980er Jahre.[2] Dies gipfelte schließlich 1989 und 1992 im „Historikerinnenstreit“[3], der sich schon in der Betitelung an den „Historikerstreit“ im Jahr 1986 anlehnte.[4] Die Diskussion wurde von den Historikerinnen also als ein Streit um das grundlegende Verständnis der Rolle von deutschen Frauen im Nationalsozialismus aufgefasst. Dieser „Streit“ beschäftigte sich vor allem mit der Frage, ob eine „spezifisch weibliche Schuld“[5] deutscher Frauen, in Bezug auf deren Rolle im Nationalsozialismus, vorhanden sei. Während Gisela Bock davon ausging, dass nationalsozialistische Täterinnen vor allem außerhalb der sogenannten weiblichen Sphäre an Verbrechen beteiligt waren[6], vertrat Claudia Koonz in der überarbeiteten Fassung ihrer Monographie „Mütter im Vaterland“ die Meinung, dass die Schuld deutscher Frauen darin lag, dass sie die für sie vom NS-Staat vorgesehene Rolle annahmen, die nach Koonz vor allem darin bestand als unpolitische Mütter Teil der „Volksgemeinschaft“ zu sein.[7] Daraus entwickelten sich seit den 1990er Jahren unterschiedliche Forschungsansätze, die sich differenzierter mit unterschiedlichen Frauengruppen im Nationalsozialismus auseinandersetzen.[8] Die Forschung zur allgemeinen Frauengeschichte ist mittlerweile weitestgehend etabliert, wohingegen die zeitgeschichtliche Frauen- beziehungsweise Geschlechterforschung in Deutschland „nicht als derart zentral [gilt], um als anerkannte Qualifikation zu gelten.“[9] Dennoch hat sich diese Forschung in den vergangenen Jahren als lebendig und gesellschaftlich relevant erwiesen.[10] Dies wird besonders deutlich in der Debatte um Leonie Trebers Dissertation „Mythos Trümmerfrauen“[11], die vor allem in den sozialen Medien kontrovers diskutiert wurde.[12] Im Kontext der Geschichte von Frauen im Deutschland der Nachkriegszeit, beschäftigte sich die westdeutsche historische Forschung vor 1989 überwiegend mit der westdeutschen Nachkriegszeit[13], während sich die Forschung in der DDR basierend auf der marxistischen Geschichtsideologie mit der Rolle der Frau in der Nachkriegszeit beschäftigte.[14] Auch nach 1989 ist zur Geschichte deutscher Frauen in der Nachkriegszeit ein deutlicher Forschungsschwerpunkt auf Westdeutschland festzumachen. Auffällig ist auch, dass es – im Sinne einer transnationalen Geschichtsforschung – wenige Arbeiten gibt, welche die Lebenssituationen westdeutscher und ostdeutscher Frauen gegenüberstellen, eine Ausnahme bildet hier zum Beispiel die bereits erwähnte Dissertation von Treber, die das Bild von „Trümmerfrauen“ in beiden deutschen Staaten untersucht.

Die Mediengeschichte ist Teil eines kulturwissenschaftlichen Forschungsfeldes. Die deutsche Zeitgeschichtswissenschaft betreibt Mediengeschichte überwiegend dahingehend, dass sie Medien als Quellen nutzt. Die Akteure, die diese Medien produzieren, werden dabei in der Zeitgeschichte eher vernachlässigt, was Frank Bösch und Annette Vowinckel als Forschungsdesiderat kennzeichnen.[15] Die Geschichte der Medien in der DDR ist kaum erforscht[16], ihr Wechselspiel mit westlichen Medien im Kalten Krieg hingegen ein beliebtes Forschungsthema[17], wie auch die Pressegeschichte der Bundesrepublik als gut erforscht gelten kann.[18] Die Mediengeschichte des Nationalsozialismus wurde ebenfalls umfassend geschichtswissenschaftlich dargestellt.[19] Frauenzeitschriften sind hingegen bislang selten umfassend einer geschichtswissenschaftlichen Untersuchung unterzogen worden. Von den hier untersuchten Zeitschriften wurden die NS Frauen-Warte und die Constanze einer genaueren Betrachtung unterzogen. Daher sind die Ergebnisse von Annette Meyer zum Felde sowie von Elisabeth Vormschlag zur NS Frauen-Warte sowie die Arbeit Sylvia Lotts, die sich in ihrer Dissertation auch mit der Constanze beschäftigte, für diese Arbeit essentiell, da sie Grundlagenforschung zu den in der Arbeit ausgewerteten Zeitschriften betrieben. Alle drei Arbeiten erschienen in den späten 1970er beziehungsweise den frühen 1980er Jahren und sind daher nicht auf dem neuesten Stand der Forschung. Meyer zum Felde und Vormschlag beschäftigten sich in ihren Arbeiten vor dem bereits erwähnten Hintergrund der beginnenden Beschäftigung mit dem Rollenbild von Frauen im Nationalsozialismus mit den Zeitschriften, was dazu führte, dass sie die angenommene Opferrolle der deutschen Frauen in ihren Arbeiten als gegeben annahmen. Lott untersuchte in ihrer Dissertation anhand der Verleger Hans Huffzky und John Jahr deutsche Frauenzeitschriften im Zeitraum zwischen 1933 und 1970, allerdings unter kommunikationswissenschaftlichen Aspekten. Eine genaue Untersuchung der Zeitschrift Die Frau von heute liegt nicht vor, auch wenn sie in Lotts Dissertation am Rande erwähnt wird. Hier wurde auf einen Aufsatz von Gunilla-Friederike Budde im Sammelband „Zwischen ‚Mosaik’ und ‚Einheit’. Zeitschriften in der DDR“ zurückgegriffen, der 1999 von Simone Barck, Martina Langermann und Siegfried Lokatis herausgegeben wurde und zumindest einen Überblick zur Entstehungsgeschichte und Situation der Frau von heute in der DDR gibt.


[1] Siehe dazu z.B. Winkler, Dörte: Frauenarbeit im „Dritten Reich“ (Reihe historische Perspektiven 9), Hamburg 1977, Frauengruppe Faschismusforschung (Hrsg.): Mutterkreuz und Arbeitsbuch. Zur Geschichte der Frauen in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus, Frankfurt a.M. 1981 sowie Kuhn, Annette (Hrsg.): Frauen in der deutschen Nachkriegszeit, Band 2, Düsseldorf 1986.

[2] Vgl. Herkommer, Christina: Frauen im Nationalsozialismus. Ein diskursgeschichtlicher Überblick, in: Theresienstädter Studien und Dokumente 14 (2007), S. 288-327, hier S. 290f.

[3] Bock, Gisela: Ein Historikerinnenstreit?, in: Geschichte und Gesellschaft 18 (1992), S. 400-404, hier S. 400.

[4] Siehe dazu: Große Kracht, Klaus: Debatte: Der Historikerstreit, https://docupedia.de/zg/Historikerstreit (15.12.2015).

[5] Bock: Ein Historikerinnenstreit?, S. 400.

[6] Vgl. ebd., S. 400f.

[7] Vgl. Heinsohn,, Kemper: Geschlechtergeschichte.

[8] Vgl. Herkommer: Frauen im Nationalsozialismus, S. 318.

[9] Heinsohn, Kemper: Geschlechtergeschichte.

[10] Siehe dazu z.B. Hagemann, Karin, Schüler-Springorum, Stefanie (Hrsg.): Heimat-Front. Militär und Geschlechterverhältnisse im Zeitalter der Weltkriege, Frankfurt a.M., New York 2002.

[11] Treber, Leonie: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes, Essen 2014.

[12] Vgl. dazu z.B. Hoffmann, Moritz: “Sorry, das will keiner lesen” – warum wir alle Public History brauchen, http://www.moritz-hoffmann.de/2015/12/01/sorry-das-will-keiner-lesen-warum-wir-alle-public-history-brauchen/ (15.2.2016) sowie Hagemann, Karen: Geschichtswissenschaft, Medien und kollektives Gedächtnis. Zum „Mythos Trümmerfrauen“, in: Neue Politische Literatur 61 (2015), S. 203-212.

[13] Siehe dazu z.B. Meyer, Sibylle, Schulze, Eva: Wie wir das alles geschafft haben: alleinstehende Frauen berichten über ihr Leben nach 1945, München 1984.

[14] Siehe dazu z.B. Scholze, Siegfried: Zur Rolle der Frau in der Geschichte der DDR. Vom antifaschistischen-demokratischen Neuaufbau bis zur Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft (1945 bis 1981), Leipzig 1987.

[15] Vgl. Bösch, Frank, Vowinckel, Annette: Mediengeschichte, https://docupedia.de/zg/Mediengeschichte_Version_2.0_Frank_B%C3%B6sch_Annette_Vowinckel (15.2.2016).

[16] Siehe dazu Geserick, Rolf: Registriert und übersehen. DDR-Zeitschriften in der bundesdeutschen Kommunikationsforschung, in: Simone Barck, Martina Langermann, Siegfried Lokatis (Hrsg.): Zwischen „Mosaik“ und „Einheit“. Zeitschriften in der DDR, Berlin 1999, S. 22-31.

[17] Vgl. Bösch, Vowinckel: Mediengeschichte.

[18] Siehe dazu zum Beispiel Wilke, Jürgen (Hrsg.): Unter Druck gesetzt. Vier Kapitel deutscher Pressegeschichte, Köln 2002.

[19] Siehe z.B. Heidenreich, Bernd, Neitzel, Sönke (Hrsg.): Medien im Nationalsozialismus, Paderborn 2010 sowie Kozsyk, Kurt: Deutsche Presse 1914-1945, Berlin 1972.

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