MA-Wasserstandsmeldung 2: Katastrophen

Ich war Anfang Juni bei der #dhiha6 Tagung am DHI Paris. Sehr schön zusammen gefasst hat das bereits Jürgen Hermes, weswegen ich die Tagung jetzt unter einem anderen Gesichtspunkt aufgreife. Eigentlich soll es nämlich ein Appell sein. Sichert eure Daten doppelt und dreifach. Denn, Überraschung, Daten können verloren gehen. So wie zum Beispiel hier: man sammelt etwa 800 Artikel aus drei verschiedenen Frauenzeitschriften damit man schon mal einen groben Überblick für Folgendes hat:

Zwei Stereotype tun sich auf in der heutigen Rückbetrachtung auf Frauen in der Nachkriegszeit. Auf der einen Seite sind die Trümmerfrauen fest im kollektiven Gedächtnis verankert, auf der anderen Seite hat sich auch das Bild der sogenannten „Amiliebchen“[1] etabliert. In aktuellen Fernsehfilmen und –dokumentationen wird das Bild der Frau in der Nachkriegszeit häufig mit Hilfe dieser beiden Stereotype gezeichnet:

Im Zweiteiler „Die Luftbrücke – Nur der Himmel war frei“, den Sat.1 2005 produzierte, steht die weibliche Hauptrolle Luise Kielberg zwischen ihrer Liebe für den amerikanischen General Philipp Turner und ihrem aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Mann. Im 2004 von der ARD produzierten Zweiteiler „Das Bernsteinamulett“ verliebt sich die Hauptfigur Barbara in den russischen Offizier Belajew, während ihr Mann in Kriegsgefangenschaft ist. Den Hauptfiguren beider Filme ist gemein, dass das Ergebnis ihrer Liebe zu einem „Besatzer“ zu einer Schwangerschaft führt. Das Schicksal dieser „Besatzerkinder“ griff u.a. auch die ZDF-History Folge „Hello Fräulein“ auf, die die „Liebesgeschichten zwischen Siegern und Besiegten“[2] erzählt.

In den beiden Fernsehfilmen wird sich aber auch dem Stereotyp der „Trümmerfrau“ gewidmet. Beide Frauen sind am Wiederaufbau beteiligt und verkörpern so die arbeitende Frau, die Deutschland – in Abwesenheit der Männer – wieder aufbaut. Dieses Stereotyp ist – im Gegensatz zum „Besatzerliebchen“ – zumindest für die Bundesrepublik Deutschland nachträglich in das kollektive Gedächtnis eingegangen, wie Leonie Treber nachgewiesen hat. Erst in den 1980er Jahren rückte die Trümmerfrau wieder ins Licht der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit als es um die Rentenansprüche dieser Frauen ging. Heute steht das Bild der Trümmerfrau für eine selbstlose Frau, die Deutschland tapfer wieder aufgebaut hat[3], dieses Bild scheint sich aber in der öffentlichen Wahrnehmung langsam zu ändern, was die im Winter 2013 öffentlich geführte Debatte um das Denkmal für die Trümmerfrauen in München[4] und auch die 2014 von Leonie Treber und Maria Pohn-Weidinger veröffentlichten Arbeiten zeigen.

Wie aber entstanden diese Stereotype? Inwiefern sind sie geprägt von dem Frauenbild der NS-Ideologie? Wie ist die Ausbildung des Stereotyps „Trümmerfrau“ speziell in Ostdeutschland und der Herausbildung des „Amiliebchens“ in Westdeutschland zu erklären (Stichwörter: Sowjetisierung, Amerikanisierung?) und inwieweit sind diese Bilder durch den Diskurs in der Nachkriegszeit und den 1950er Jahren in das kollektive Gedächtnis in Deutschland eingegangen? Wie wird die nationalsozialistische Vergangenheit von Frauen in der Nachkriegszeit in beiden deutschen Staaten thematisiert? Wird sie überhaupt thematisiert? Wie überdeckt der Wiederaufbau die Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus Entnazifizierung von Frauen? Wie wandelt sich das Bild der nationalsozialistischen Frau in beiden deutschen Staaten? Gibt es Kontinuitätslinien?  Wie wirkt sich der vermeintliche Anteil der Frauen am Wiederaufbau auf ihre politische Partizipation aus? Gleichberechtigung, Erwerbstätigkeit? Wie wird das jeweilige Frauenbild im anderen Staat aufgenommen? Wie sieht die Rolle der Frauen beim Volksaufstand 1953 aus? Wie fügt sie sich in der Bild der arbeitenden Frau in der DDR ein? Ändert sich mit den aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Männern das Bild der Frauen in der BRD, von der Trümmerfrau zum Heimchen am Herd?

Dann versucht man irgendwann diese Datei zu öffnen und der Laptop weiß auch noch, wie sie heißt, aber leider nicht, wo er sie finden könnte, sie ist nämlich gelöscht und auch die TimeMachine kennt die Datei nicht. Das heißt, ich habe sie bereits vor dem 1. Mai 2015 unwissentlich gelöscht. Ich weiß zwar nicht wie, aber weg ist sie. Zum Glück habe ich die Fotos noch. Das ist aber auch alles. Jedenfalls wird die Arbeit jetzt angemeldet, sonst wird das in diesem Leben nichts mehr mit dem M.A. hinter meinem Namen.

[1] Der Begriff selbst deutet bereits an, dass sich dieses Bild vor allem aus den Beziehungen zwischen deutschen Frauen mit amerikanischen Armeeangehörigen zusammensetzt, tatsächlich gab es aber in allen Besatzungszonen derartige Beziehungen.

[2] http://programm.ard.de/?sendung=287259867604806 abgerufen am 29.8.2014.

[3] Vgl. http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/nachkriegszeit/stunde_null/portraet_truemmerfrauen.jsp abgerufen am 29.8.2014.

[4] Vgl. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/debatte-um-ein-denkmal-die-maer-von-den-muenchner-truemmerfrauen-1.1839499 und http://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article122805985/Die-geschichtsblinde-Attacke-der-Gruenen.html abgerufen am 29.8.2014.

 

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