{"id":64,"date":"2013-12-11T00:01:51","date_gmt":"2013-12-10T23:01:51","guid":{"rendered":"https:\/\/charlottejahnz.de\/?p=64"},"modified":"2013-12-11T00:01:51","modified_gmt":"2013-12-10T23:01:51","slug":"der-freistaat-bayern-und-der-kampf-mit-mein-kampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/charlottejahnz.de\/?p=64","title":{"rendered":"Der Freistaat Bayern und der Kampf mit \u201cMein Kampf\u201d"},"content":{"rendered":"<p>2015 ist Adolf Hitler 70 Jahre tot. Und wie es beim Urheberrecht so ist, laufen dann die Anspr\u00fcche seines &#8220;Erben&#8221; an Hitlers politisch-ideologischer Programmschrift <em>Mein Kampf<\/em> aus. Erbe ist in diesem Fall der Freistaat Bayern, zumindest geht dieser davon aus, weil Hitler dort seinen letzten Wohnsitz hatte. Ab dem 1.1.2016 k\u00f6nnte aber jeder das Buch ver\u00f6ffentlichen und verkaufen.<!--more--><\/p>\n<p>Es ist auch nicht so, dass man <em>Mein Kampf<\/em> aktuell nicht lesen k\u00f6nnte. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnte es im ein oder anderen Haushalt noch im Keller oder auf dem Dachboden liegen ((ab 1936 verschenkten es deutsche Standes\u00e4mter statt der Bibel an Ehepaare)). Au\u00dferdem d\u00fcrfte fast jede Universit\u00e4tsbibliothek \u00fcber mindestens ein Exemplar verf\u00fcgen. Ich habe mich mit dem Buch w\u00e4hrend meiner Bachelorarbeit besch\u00e4ftigt und auch wenn ich es nicht aus der Bibliothek mitnehmen durfte, kopieren konnte ich es. Daneben h\u00e4tte ich es vermutlich auch antiquarisch besorgen k\u00f6nnen, denn auch das ist nicht strafbar. Schlussendlich h\u00e4tte ich es mir auch aus dem Netz ziehen k\u00f6nnen, es auf Englisch bestellen k\u00f6nnen oder auf <a href=\"https:\/\/blogs.taz.de\/hitlerblog\/2009\/11\/23\/ihr_lutscher\/\">Spanisch<\/a>, da reicht es auch, wenn ich 9 Jahre alt bin.<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Zeitgeschichte in M\u00fcnchen hat in den vergangenen Jahren immer wieder versucht eine kritische Edition von <em>Mein Kampf<\/em> durchzusetzen. Das bayerische Finanzministerium war aber dagegen. Seit das Jahr 2016 immer n\u00e4her r\u00fcckt, scheint man sich aber auch im bayerischen Finanzministerium Gedanken gemacht zu haben. Daher trafen sich im April 2012\u00a0Vertreter verschiedener bayerischer Ministerien, der Israelitischen Kultusgemeinde, der Sinti und Roma, der Kirchen, der Wissenschaft und gesellschaftspolitischer Einrichtungen in N\u00fcrnberg zu einem runden Tisch:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8220;Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern herrschte \u00dcbereinstimmung dar\u00fcber, eine wissenschaftliche, kritisch kommentierte Edition von \u201eMein Kampf\u201c zu erarbeiten und zu publizieren. Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und das Bayerische Staatsministerium f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kunst erkl\u00e4rten sich bereit, dieses Vorhaben zu f\u00f6rdern und betrauten das Institut f\u00fcr Zeitgeschichte mit dieser Aufgabe.&#8221; ((<a href=\"https:\/\/www.ifz-muenchen.de\/aktuelles\/themen\/edition-mein-kampf\/\">https:\/\/www.ifz-muenchen.de\/aktuelles\/themen\/edition-mein-kampf\/<\/a>))<\/em><\/p>\n<p>Der Freistaat Bayern f\u00f6rdert die Edition mit 500.000 Euro. Umso erstaunlicher ist es, dass heute bekannt wurde, dass die CSU-Regierung anscheinend nun doch davon Abstand nehmen will mit der Edition des Buches in Verbindung gebracht zu werden. So ist heute in diversen Online-Medien (hier <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/Freistaat-Bayern-ist-gegen-Neu-Ausgabe-von-Hitlers-Mein-Kampf-id28065432.html\">Augsburger Allgemeine<\/a>) zu lesen, dass\u00a0die Verbreitung von Nazipropaganda keine Staatsaufgabe sei. Horst Seehofer bringt dabei auch das NPD-Verbotsverfahren ins Spiel, man k\u00f6nne schlie\u00dflich nicht das eine verbieten, w\u00e4hrend man das andere lie\u00dfe. Wie wirr diese These ist, macht allein schon deutlich, dass man <em>Mein Kampf<\/em> erwerben kann, es sogar ausleihen oder legal besitzen kann &#8211; ohne dass hier kritisch kommentiert und eingeordnet w\u00fcrde. Man kann das Buch, das wohl aufgrund seiner verbotenen Aura ein gesteigertes Interesse weckt (in Wahrheit aber \u00e4u\u00dferst schlecht geschrieben und schwer zu lesen ist), nicht totschweigen. Das Faszinosum <em>Mein Kampf<\/em> durch den Straftatbestand der Volksverhetzung unter den Teppich kehren zu wollen kann nur scheitern. Abgesehen davon, dass es juristisch wohl eher schwierig w\u00fcrde den Straftatbestand bei einer kritischen Ausgabe geltend zu machen, sollte klar sein, dass nur Aufkl\u00e4rung hilft, nicht aber Totschweigen. Statt die Edition &#8211; wie angek\u00fcndigt &#8211; weiter zu f\u00f6rdern hat die bayerische <del>Landesregierung<\/del> Staatsregierung ((with special thanks to <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Erbloggtes\">@Erbloggtes<\/a>)) sich \u00fcber einen partei\u00fcbergreifenden Entschluss des bayerischen Landtags hinweggesetzt und verhindert jetzt eine historisch kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. 500.000 Euro also f\u00fcr gar nichts. Vielleicht mag mal jemand <a href=\"https:\/\/www.steuerzahler.de\/Home\/1692b637\/index.html\">hier<\/a> vorbeischauen.<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_64 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_64')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_64').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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